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Vorwort
Meine Arbeit ist eklektisch und eine oft ironische Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff, aber auch den Dingen an sich, dabei entstehen Zwischenformen oder Zwischendinge.

1987-1994
Am Anfang war das Fischbüro e.V. 2 Jahre war ich FischagentIn und übte mich mit anderen Mitgliedern wie Almut Klotz/ ehemals Lassie Singers, Christiane Rösinger/ehemals Lassie Singers, Dimitri Hegemann/ Begründer des Technoclubs Tresor, David Boysen, Udo Heitfeld, André Steinmann darin, die Welt in unerklärlichen Happenings stattfinden zu lassen.

Dann kamen Objekte aus Karton, die das Thema Konsum -ich kaufe, also bin ich!- umkreisten (absurde Taschenkollektion). In dieser Zeit war auch das künstlerische Medium Performance für mich wichtig. Als Performerin bei Benoit Maubrey mit Guitar Monkeys und Audiokleidern, ein Hybrid zwischen Kunst und Musik, sammelte ich Erfahrungen, die ich später in Einzelperformances oder Kleingruppenperformances mit Harri Schemm und Fernando Bryce anwendete.

1994-2000
Mit den "Dingen", eine umfassende Installation von Bildobjekten und der sich daran anschließenden ebenfalls großen Objektserien von Plüschkleidern und Werkzeugen (die Taschn füllen sich!), begann ich mich in der Kunstszene der 90'iger durch die Ausstellung bei Michael J. Wewerka Galerie und X 94, Akademie der Künste bemerkbar zu machen. Auch in der Performance war die Arbeit "Carroussel" - der überdimensionale Rock mit 3 mtr. Durchmesser - life act bei MTV Club Tour, kuratiert von Lena Braun ein wichtiger Schritt.

Doch die Distanz zum Publikum/Betrachter wollte überwunden werden. Nicht ich als PerformerIn sollte mehr im Mittelpunkt stehen, sondern die Anderen - Jeder / Jede / Everybody. Unter dem Einfluß der boomenden Clubkultur in Berlin entstand so das part(y)cipative Performancehappening DJ Everybody, das ich von 1996 - 2012 regelmäßig zum Teil international veranstaltete und dabei auch zum DJ ing, als weiterer künstlerischer Disziplin, gekommen bin. Die Club- und Partyszene im Berlin der 90'iger, die Jahre nach dem Mauerfall, mit ihren wilden, improvisierten Locations bedeutete für mich schlicht und einfach künstlerische Freiheit und ermöglichte eine neue Definition von Kunst außerhalb von "white cube". Zwei Jahre war ich fast DauergastkünstlerIn im Boudoir, einer Galerie/Club/Lounge in Berlin-Mitte, wo ich meine wichtigsten Clubartausstellungen bestritt. Dabei wurden meine Ausstellungen von DJ's wie Coffeman, Supersiren oder Dixon eröffnet, da Kunst und Musik in der Clubkunst eine Einheit bildeten. Clubartfreundliche Orte wie Galerie Fruchtig, Frankfurt a. Main oder allgirls gallery, Berlin und Radio Berlin vertraten meine Arbeiten.

In dieser Zeit (1995-2000), sehe ich meine gesamte künstlerische Arbeit als Clubkunst definiert (siehe Interview mit Tulip Enterprises über Clubart im Buch "Flyersoziotope", herausgegeben von Mike Riemel). Mit Anja Rosendahl, die das legendäre Flyer Heft in den 90'igern herausbrachte, entstand ein Katalog mit dem Titel "Betty", der im Stil der populären Jugendzeitschrift "Bravo" gestaltet ist und 1999 im Rahmen einer großen Einzelausstellung über meine Clubart Arbeiten vom Haus am Lützowplatz (HAL), Berlin, mit der derzeitigen LeiterIn Karin Pott, herausgegeben wurde.

2001-2008
Der Zenit der Clubart war überschritten. Ich konzentrierte mich verstärkt auf Malerei und Appropriation Art. 2004-2006 setzte ich mich intensiv mit dem Werk von Henri Matisse und Paul Cézanne auseinander. Dabei entstanden Objekte, Fotoarbeiten und Bilder, die ich als konzeptuelle Installationen deutschlandweit in Galerien, aber vor allem in der allgirls gallery präsentierte. Eine abschließende Station meiner Remix Serie der klassischen Moderne bildete die Auseinandersetzung mit dem Werk von William Turner. Hierbei entstanden AquarellCollagen, Assemblagen und die Bildserie Wolkentagebuch, die erstmalig in der Galerie Destillarta gezeigt wurde.

ab 2008
Seit 2008 steht die abstrakte Arbeitsserie "Multituned", in denen ich mit fotokopierten Stoffmustern und Farben neue Rythmen erzeuge, im Vordergrund meiner Arbeit. Zur Abstraktion gelangte ich vor allem durch die Bekanntschaft mit dem Maler, Hannah Höch Preisträger Manfred Gräf (1930-2011). "Multituned" ist ein Arbeitszyklus, der stark von zeitgenössischer elektronischer Musik beeinflusst ist und als Einzelausstellung von der Galerie Michaela Helfrich und Galerie Destillarta ausgestellt wurde. DJ Everybody Happening hatte bis 2012 einen ebenso wichtigen Punkt in meiner künstlerischen Arbeit inne und entwickelte sich zunehmend zu einer Fotocopyinstallation mit Video Slide Show von DJ Porträts, die ich zu jedem Happening in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Computernerd Otaku zeigte. wie zum Beispiel in der Galerie 61 in Bielefeld. 2009 erschien dazu ein Katalog und eine CD rom von Otaku, im Rahmen einer umfassenden Installation im Künstlerhaus Mousonturm, Galerie station in Frankfurt am Main, kuratiert von Annette Gloser. Aktuell werden meine Werke von Michaela Helfrich Galerie, Galerie Zwitschermaschine, Galerie Destillarta und art von frei gallery vertreten.

Betty Stürmer, July 2016